Die Polizei in Brandenburg kommt immer später zum Tatort

"Da kann man nur schwarz sehen"

30.05.2013 | MAZ/gel

Brandenburgs Polizisten brauchen immer länger, um zu einem Einsatzort zu kommen.Wurden im Jahr 2008 noch rund 120 000 Einsatzorte binnen 15 Minuten nach der Alarmierung erreicht (41,6 Prozent aller Einsätze), waren es 2012 nur noch 86 000 (34,2 Prozent). Gestiegen ist im Gegenzug die Zahl der Einsätze, bei denen die Beamten 45 bis 90 Minuten zum Tatort benötigten: Waren es 2008 noch 11,2 Prozent der Einsätze, stieg deren Zahl in 2012 auf 14,8 Prozent. Das teilte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) auf eine Anfrage des CDU-Innenexperten Björn Lakenmacher mit. Auch die durchschnittliche Interventionszeit hat sich erhöht: 2008 betrug die Fahrt zum Einsatzort im Schnitt 23 Minuten und 24 Sekunden. Vergangenes Jahr waren es 26 Minuten und 47 Sekunden.

Für Lakenmacher ist der Fall klar: „Durch die Polizeireform und den hohen Krankenstand brauchen Beamte immer länger, bis sie vor Ort sind. Dabei hat der große Personalabbau noch gar nicht begonnen“, sagte er der MAZ. „Da kann man nur schwarz sehen.“ Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht sich in ihrer Kritik am Umbau der Landespolizei bestätigt und forderte Woidke auf, den geplanten Stellenabbau zurückzunehmen.

Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums, wies die Kritik an der Reform zurück. Die Interventionszeiten seien auch unter der Amtszeit von CDU-Innenminister Jörg Schönbohm gestiegen – und nicht erst seit dem Einleiten der Polizeireform im Jahr 2011. „Natürlich ist es unser Ziel, dass die Polizei so schnell wie möglich am Ziel ist“, betonte er. Bei sogenannten Blaulichteinsätzen bei akuter Gefahr sei das auch der Fall. In der Statistik seien auch Fälle erfasst, bei denen es etwas länger dauern dürfe.


(MAZ/gel)

aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 30.05.2013, 10:35 Uhr