Drei Abis, drei Karrieren

Absolventen erzählen von Werdegang nach dem Abschluss

19.12.2013 | Anne Stephanie Wildermann/MAZ

Weihnachten ist nicht nur die Zeit der Geschenke. Viele Menschen fahren nach Hause, besuchen Eltern und alte Freunde. Viele von ihnen hat man seit der Schulzeit nicht mehr gesehen. Natürlich gibt es dann viele Fragen, was denn so seit dem Abitur passiert ist. Wir haben uns mit drei Abiturienten vom Schiller-Gymnasium Königs Wusterhausen unterhalten. Darüber, wovon sie träumten und was daraus geworden ist.

Susanne Kieckebusch

Die 32-Jährige hat im Jahr 2000 ihr Abitur am Schiller-Gymnasium abgelegt. Heute ist sie Ärztin in Halbe. Susanne Kieckebusch ist verheiratet und hat fünf Kinder.
Damaliger Berufswunschr: „Ich wusste schon mit sechsJahren, dass ich Ärztin werden will.“

Das ist nach dem Abi passiert: „Ich habe zunächst ein Praktikum im Achenbacher Krankenhaus in Königs Wusterhausen gemacht. Im Wintersemester 2000 habe ich mit meinem Medizinstudium in Berlin begonnen. Vor dem zweiten Staatsexamen bin ich für acht Wochen nach Namibia gegangen. Dort habe ich in einem Krankenhaus gearbeitet. Ich war für die ärmeren Wohngebiete zuständig. Wir mussten Schusswunden, gravierenden Entzündungen, Tuberkulose-Patienten und Menschen, die mit HIV infiziert waren, behandeln. Das war eine sehr spannende und aufregende Zeit. Was mir besonders in Erinnerung blieb, dass die Patienten eine unglaubliche Geduld mit brachten. Es beschwerte sich keiner, wenn er warten musste – egal, wie stark die Schmerzen oder wie schlimm die Verletzungen waren.

Nach der Zeit in Namibia bin ich nach Lübeck gezogen. Dort habe ich mein praktisches Jahr absolviert. Während meiner Zeit in Lübeck habe ich noch an der Uniklinik und im städtischen Krankenhaus gearbeitet, vor allem im Bereich Altenmedizin. Das hat mir sehr gut gefallen. An der Uni Hamburg habe ich dann meine Doktorarbeit zum Thema ,Strahlentherapie von multiplen Hirnmetastasen’ geschrieben. Gut zwei Jahre habe ich an ihr gearbeitet. Bereits während des Schreibens an der Promotion bin ich nach Märkisch Buchholz zurückgekehrt und habe in der Praxis meiner Mutter gearbeitet. Zwischenzeitlich habe ich noch drei Jahre im Krankenhaus in Beeskow (Oder-Spree) gearbeitet und ein halbes Jahr in einer chirurgischen Praxis in Lübben. Ich hoffe, dass ich mit meiner Mutter noch mindestens 15Jahre zusammen arbeiten werde. Wenn sie dann in den Ruhestand geht, suche ich mir einen anderen Allgemeinmediziner. Denn ich will auf alle Fälle weiter in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten.“

Das würde ich heute anders machen: „Ich wäre gern noch häufiger ins Ausland gegangen. Allerdings wusste ich nicht wann. Mein Zeitplan war immer voll ausgefüllt. Ich finde, man kann von dem Blick über den eigenen Tellerrand nicht genug bekommen. Andere Kulturen, Mentalitäten, Traditionen und moralische Aspekte kennen zu lernen, ist wahnsinnig interessant und bereichernd.“


Björn Lakenmacher

Der 38-Jährige hat 1993 sein Abitur gemacht. Der CDU-Politiker ist seit 2010 Abgeordneter im Brandenburger Landtag.

Damaliger Berufswunsch: „Ich wollte Polizist werden oder nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr bleiben.“

Das ist nach dem Abi passiert: „Ich fand die zwölf Monate Wehrdienst recht gut. Doch letztlich entsprach das Leben als Berufssoldat nicht meinen Vorstellungen. Außerdem trage ich eher ungerne Uniform. Mir war dann klar, dass ich Kriminalbeamter werden will. Dies natürlich nicht nur, weil man da keine Uniform tragen muss.
Ich hatte immer eine große Leidenschaft für Krimis. Das Studium zum angehenden Kriminalisten habe ich in Berlin absolviert. Drei Jahre ging das. Nach dem Studium habe ich noch sechs Monate in Berlin gearbeitet und habe mich dann beim Bundeskriminalamt (BKA) beworben. Ich hatte die Hoffnung, beim BKA in Berlin weiterarbeiten zu können und im Landkreis Dahme-Spreewald zu wohnen. Doch statt Berlin als Arbeitsort zu behalten, musste ich nach Meckenheim bei Bonn in Nordrhein-Westfalen. Das bedeutete für mich auch, den Kreisvorsitz der Jungen Union abzugeben. Meine Dienstzeit in Meckenheim hätte bis zum Ende meiner Berufszeit dauern können. Dabei hing ich doch so an meiner Heimat Dahme-Spreewald.
Als ich in Meckenheim ankam, habe ich keinen Versetzungsantrag gestellt. Ich wollte dem Ganzen eine Chance geben. Nach einem Jahr gab es dann eine Umlagerung von Dienststellen und Abteilungen, die nach Berlin sollten. Ich habe mich freiwillig gemeldet. Mit dem Rückzug nach Dahme-Spreewald habe ich mich nahtlos wieder in der CDU eingebracht und auf kommunaler Ebene gearbeitet. Es war alles in allem ein langer Prozess zum Berufspolitiker. Schon während des Studiums begann ich, mich bei der CDU zu engagieren und wurde zunächst Kreisvorsitzender bei der Jungen Union. Irgendwann fragte mich die heutige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, sie war damals Kreisvorsitzende in Dahme-Spreewald, ob ich Lust habe, für den Landtag zu kandidieren. Bis zum Einzug in den Landtag habe ich als Kriminalist gearbeitet. Die Landtagskandidatur 2009 neben dem Vollzeitberuf war eine anstrengende und schlafraubende Zeit. Meiner Ansicht nach ist es für einen Politiker aber wichtig, dass er im Vorfeld einem Beruf nachgegangen ist und es nicht heißt: Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal.“

Das würde ich heute anders machen: „Heute würde ich nach dem Abi oder nach dem Bund für mindestens ein Jahr ins Ausland gehen. Dort leben und dort arbeiten. Im Berufsleben ist so etwas schwer möglich. Nur mit 19Jahren hat man eine gewisse Unbekümmertheit für so etwas.“


Alexander Kroll

Der 29-Jährige machte 2003 sein Abitur. Heute lebt er in den USA, genauer in Miami. Er arbeitet dort als Juniorprofessor an der Florida International University.

Damaliger Berufswunsch: „Während des Abis hatte ich keinen speziellen Berufswunsch. Ich wusste damals nicht mal genau, was ich studieren möchte. Ich habe eigentlich nie langfristig vorausgeplant und bin damit bislang immer gut gefahren.“

Das ist nach dem Abi passiert: „Ich habe an der Uni Potsdam Verwaltungswissenschaften studiert und 2008 das Studium abgeschlossen. Ein Jahr lang war ich mit einem Stipendium an der University of California in Los Angeles und habe in der Zeit meine heutige Frau kennen gelernt. Nach dem Studium habe ich meinen Doktor im Bereich Public Management gemacht, ebenfalls in Potsdam. Seit diesem Jahr arbeite ich an der Uni in Miami.“

Das würde ich heute anders machen: „Ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Ich glaube, man fährt ganz gut damit, immer das zu machen, was einem langfristig zusätzliche Möglichkeiten eröffnet. Habe ich zumindest mal auf einem Glückskeks gelesen.“

Von Anne Stephanie Wildermann/MAZ

aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 19.12.2013, 10:24 Uhr