Viel zu spät am Tatort - CDU veranstaltete Podiumsdiskussion zum Thema Polizei

Wittstocker Beamten wird gute Arbeit bescheinigt

19.08.2014 | MAZ/Uta Köhn | Wittstock

Warum wird nur jeder fünfte Einbruch aufgeklärt? Dieser Frage gingen am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion im Rathaus der Landtagsabgeordnete und Innenexperte der CDU, Björn Lakenmacher, Bürger- meister Jörg Gehrmann, Herbert Brandt vom Weißen Ring und Ingo Karbe vom Verein Haus und Grund OPR nach. In anderthalb Stunden trugen die Vier in der vom Landtagskandidaten Jan Redmann (CDU) moderierten Veranstal- tung jede Menge Gründe zusammen.

Die zentrale Aussage lautet: Die Poli- zeireform der rot-roten Landesregierung sei Schuld. In einem Flächenland wie Brandenburg dürfe die Zahl der Polizeibeamten nicht unter 8000 sinken. Derzeit sind es 8200. Im Jahr 2009 waren es noch 8 900 Polizeibeamte. Derzeitiger Plan der Regierungskoali- tion sei es, ihre Zahl auf 7 000 herab zu setzen. In Brandenburg habe man es mit einer 250 Kilometer langen Grenze zu Polen, mit Berlin als Negativ-Region in Sachen Kriminalität und einer viel zu geringen Anzahl von neu eingestellten jungen Polizeianwärtern zu tun.
Herbert Brandt kennt die Seite der Opfer. Gerade ältere Menschen seien nach einem Einbruch schwer traumati- siert, finden aber kaum Hilfe, weil Ter- mine bei Psychologen in der Region erst nach sechs bis 18 Monaten zu bekom- men seien. Ingo Karbe berichtete von Mietern in Neuruppin, die die Polizei anriefen, weil sie Jugendliche beim Ein- schlagen von Schaufensterscheiben beobachtet hatten. "Es hat zehn Minuten gedauert, bis die Personalien des Anrufers aufgenommen waren und 50 Minuten, bis endlich ein Streifenwagen vor Ort war. Da muss man sich nicht über die Enttäuschung der Leute wundern." Jörg Gehrmann, der ausdrücklich die Arbeit der in Wittstock tätigen Polizisten lobte, forderte, nicht beliebig Fach- kompetenzen auszutauschen. "Polizisten müssen ansprechbar sein, man muss sie im Stadtbild wahrnehmen." Das sei mit nur einem Streifenwagen, der im Revier unterwegs ist, nicht möglich. Wenn der beispielsweise mit einem Inhaftierten nach Neuruppin fährt, "kann er nicht zeitnah bei einem Opfer sein", so Herbert Brandt. Björn Lakenmacher hatte jede Menge Zahlen im Gepäck. In ganz OPR sind nur noch vier Funkstreifenwagen rund um die Uhr unterwegs. Von den 174 Polizeibeamten im Landkreis arbeiten nur 27 in Wittstock. 2008 waren es noch 36. Ein Viertel der Stellen wurden vor Ort also gestrichen, wohingegen die Zahl der Beamten im Präsidium und Polizeidirektionen nicht einmal um zehn Prozent gesunken sei. Der Personalabbau werde durch altersbedingte Abgänge realisiert. Jahrelang seien nicht genügend junge Beamte ausgebildet worden. Dieser Fehler wurde inzwi- schen erkannt, aber man komme mit Neueinstellungen von Polizeianwärtern nicht hinterher. Lakenmacher, selbst von Beruf Kriminalpolizist, kritisierte auch die Einheitsausbildung von Polizisten. Die alten, hoch spezialisierten DDR-Kriminalisten, die noch an der Humboldt-Universität in Berlin studiert haben, gehen langsam alle in Pension. Die jungen Brandenburger Beamten durchlaufen alle die selbe Ausbildung. Abschreckend sei auch eine im Ver- gleich zu anderen Bundesländern schlechtere Besoldung.
aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 28.08.2014, 13:02 Uhr